Claras Nachlese zu 'unserem' Abend mit Saša Stanišić

Als Pioniere bezeichnete er uns. Erstleser eines Werkes, dessen Komposition auch den Autor vor eine Herausforderung gestellt hat. Erst 2014 veröffentlicht und mit zahlreichen Preisen versehen, bildet Saša Stanišićs Vor dem Fest praktisch das Nestküken im Literaturkanon für das Deutschabitur im Staat Hamburg. Neben Goethe, Schiller und Fontane vertritt das Werk eine neue Generation von Sprache und Sprachgestaltung. Und unser Vorteil dabei: Der Autor lebt noch! So sagte es Stanišić selbst, als er am Mittwoch, 27.02.2019, abends in der Aula des Johanneums vor 400 Literaturbegeisterten und mit 8 Schülerinnen und Schülern unserer Oberstufe ins Gespräch über sein Werk ging. Von der Oberstufe als Pflichtprogramm abgestempelt, änderte sich die Einstellung doch schnell, als der Autor den Abend mit guter Laune füllte und ein allmähliches Verständnis bald schon wahrem Interesse wich.

Mit seiner sympathischen und natürlichen Art versuchte er, uns seine Gedankenwelt beim Schreiben dieses Buches näher zu bringen, und gab dabei ehrlich zu, in Teilen sei dieses Buch schlauer als er. Vier Jahre Arbeit hat es ihn gekostet, vier Jahre an Recherche, Schreiben und zwischendurch einfach Arbeiten. Wir hätten Glück gehabt, seien mit 315 Seiten gut davongekommen. Geschrieben waren 700. Einen Plan? Gebe es nicht. Im Vordergrund habe für ihn die Erschaffung des Dorfes Fürstenfelde gestanden, der Rest sei auf dem Weg passiert. Und dieses Passieren ist es letztendlich, das die Genialität des Werkes ausmacht. Mit 13 Charakteren erweckt Stanišić ein Stück Fiktion zum Leben, ihre verschiedenen Geschichten vereinen sich zu einer großen und lassen beim Leser nicht nur ein Bild entstehen, sondern auch ein echtes Raum-Zeit-Gefühl. Frei von Autorintention und Sekundärliteratur liegt es an uns, sich die Gedanken zu machen. Dann steht den 14 Punkten im Deutsch-Abi auch nichts mehr im Wege. Nicht wahr, Herr Stanišić? Vielen herzlichen Dank, dass Sie uns nicht nur in den Künstler, sondern auch in den Menschen Saša Stanišić einen Blick haben werfen lassen!