Coronazeiten am Johanneum
Symbolbild
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Fast überall auf der Welt hat sich das Leben verändert. Geschäfte, Kindergärten, Restaurants, Cafés, Schulen und Hotels haben geschlossen. Klopapier, Mehl, Nudeln, Sagrotan und Schutzmasken sind ausverkauft. Ich darf weder mit meinen Jungs Fußball spielen, noch mit dem Tennisschläger auf einen kleinen gelben Ball hauen. Und das nur wegen eines winzigen Virus, das aussieht wie eine Krone, und deshalb Coronavirus genannt wird.
Aber…….

Ich soll in die Schule. Was???

Die zweite Ferienwoche waren meine Schwester und ich noch bei Oma und eigentlich sollte jetzt alles wieder normal losgehen. Doch daraus wurde nichts.
„Du darfst in die Notbetreuung des Johanneums“ empfing mich meine Mutter nach einer tollen Woche bei Oma und Opa. Da habe ich noch gar nichts gedacht. Als ich dann hörte, dass ich von 850 Schülern der Einzige bin, wurde mir mulmig. „Das wird ja heiter.“
Am ersten Tag der Notbetreuung habe ich mich bei Frau Hose im Sekretariat mit eingehaltenem Mindestabstand gemeldet und durfte dann im Klassenraum 101 neben dem Sekretariat mir einen freien Platz aussuchen. Das konnte ja was werden. Ich war wirklich ganz alleine in einem leeren Klassenraum und dann kam alles viel besser als gedacht:

Ich konnte als EINZIGER:

  • meine Materialien, Bücher aus dem Klassenraum abholen. Frau Hose öffnete nur für mich alle Schultüren zu meiner Klasse!
  • mit Herrn Prinz in der Turnhalle Fußballspielen – wer hat das schon einmal erlebt?
  • mich in der Bibliothek an zwei Rechnern gleichzeitig anmelden,
  • Frau Isenberg und Frau Wehnert „Hallo“ sagen- noch nie habe ich mich so über so viele Lehrer gefreut,
  • Frau Hose und Frau Ibouchoukene mit Fragen löchern,
  • Osterhasen aus Origami falten – wer bekommt zu Coronazeiten noch Ostergeschenke besorgt?

Ich bekam als EINZIGER:

  • Kräcker als Snack für Zwischendurch von Frau Hose angeboten,
  • meine Deutscharbeit und meine Buchvorstellung mit guten Noten von Frau Radtke zurück!

Der Vorteil im Johanneum zu sein war definitiv:

  • ich hatte meine Sachen parat,
  • ich hatte zumindest an den Tagen, die ich im Johanneum war, Ruhe vor meiner Mutter, da ich gut die Hausaufgaben geschafft habe,
  • ich konnte gut arbeiten und hatte Ruhe vor meinen beiden kleinen Schwestern,
  • Ich hatte einen Grund ein paar Stunden außerhalb meines Zuhauses zu sein.
  • Frau Hose kennt mich jetzt definitiv!!!

Alles in Allem war es eine schöne spannende Zeit – meine Schwester hat mich dann ab der 2. Woche zur Notbetreuung begleitet und so war es nicht mehr ganz so ruhig für mich.
Danke Frau Hose, dass ich nicht ganz alleine zu Hause sitzen musste.