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DIE REICHSGRÜNDUNG BEDEUTETE EINEN EINSCHNITT

Als Preußentum und Drill Einzug hielten Von Josef Nyary "Zweimal wöchentlich wurde von 2 bis 3 Uhr sehr anstrengend geturnt und exerziert", berichtet der kaiserliche Gesandte Heinrich von Eckardt über seine Schulzeit 1870-1881 im Johanneum. "Wer nicht gut lernte, wurde im Turnen besonders hergenommen, wer schlecht turnte, wurde im Griechischen und der Geschichte aufs Korn genommen. Die strenge Disziplin jagte allen einen heiligen Schrecken ein." Bei der Hammaburg-Grabung bargen Archäologe Karsten Kablitz (49) und sein Team in den Fundamenten der Gelehrtenschule auf dem Domplatz zwei eiserne Hanteln. Wie es dort im Unterricht zuging, schildert der Bericht des preußischen Diplomaten: "Der Unterricht dauert gewöhnlich von acht Uhr bis 14 oder 15 Uhr. Die Schüler pauken jede Woche zehn Stunden Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geographie, Musik und Religion. Sie schreiben Aufsätze im Latein Ciceros, lesen Thukydides und Sophokles im griechischen und die Nibelungen im mittelhochdeutschen Original, Hebräisch ist Wahlfach." Das Klima ist hanseatisch kommod: Mittags kommt der Brotmann mit Klöben und Schnecken mit Zuckerguß. Die Lehrer tragen Gehrock, Vatermörder (hoher steifer Kragen), Atlasbinde. Eckardt über seinen Gesangslehrer: "Vor der Schule hatte einmal ein frecher Schüler an die Tafel geschrieben „Klapproth ist ein Esel“. Der alte Herr las das ganz ruhig und schrieb „Treiber“ dahinter." Nach Ausbruch des Krieges 1870/71 gegen Napoleon III. gerät das Französische in Mißkredit. Die Schüler singen das Spottlied "Was kraucht denn da im Busch herum, ich glaub es ist Napoleum" - aber sie singen es auf Griechisch: "Ti krauchetai . . ." Als von Eckardt es einem Professor vorträgt, belohnt ihn der Patriot mit Naschwerk aus der Konditorei: einem kleinen Helm und einem Kanonenrohr aus Schokolade und mit Schlagsahne gefüllt. Als die Oberschulbehörde einen Preußen zum Direktor macht, kommt, so von Eckardt, "ein neuer Zug in die Anstalt. Eltern und Lehrer waren empört darüber, daß das Althamburgische zurückgedrängt wurde. Der Primanerverein „Regenwurm“, bei dessen Zusammenkünften bei Bier geraucht wurde, wurde aufgelöst, der Spazierstock verboten. Die meisten Hamburger Lehrer traten bald aus, wurden durch Preußen ersetzt." Die Hauptfigur der neuen Ära ist Dr. Bintz, "ein untersetzter, stämmiger Mann von eiserner Energie. Er hatte seine Züge - etwas Napoleonkopf. Außer klassischen Sprachen lehrte er Geschichte und - was uns unerhört erschien - Turnen. Die Opposition gegen dieses neue Regime war leidenschaftlich, aber die neuen Lehrer setzten sich durch." "Die letzten Schuljahre waren sehr anstrengend", so von Eckardt, "und ich frage mich, wie ich sie ohne Schädigung der Gesundheit ausgehalten habe." Das Abitur krönt den Geistesdrill. Ein deutscher Aufsatz behandelt das Thema "Inwiefern hat die Erfindung des Schießpulvers auf die soziale Umgestaltung Europas eingewirkt?". Vier Wochen später folgt die mündliche Prüfung. "Wir mußten aus dem griechischen Neuen Testament übersetzen und erklären, in Geschichte mußte ich Alexander den Großen vortragen und einen Abschnitt aus dem Dreißigjährigen Krieg, dann wurden jedem von uns 40 Zahlen aus der ganzen Geschichte abgefragt mit Erläuterungen, Wortlaut römischer Gesetze usw." Nach bestandenem Abitur "stolzierten wir mit unseren Spazierstöcken, die man uns nicht mehr verbieten konnte, auf dem Schulhofe herum", so von Eckardt. "Am 22. März, dem Geburtstag des alten Kaisers Wilhelm, wurden wir in der Aula feierlich entlassen; wir erschienen zum ersten Mal in unserem Leben im Frack. In meinem Zeugnis wurde mit freundlichen Worten gesagt, daß ich es wohl zu etwas Ordentlichem bringen könnte." erschienen am 26. Juli 2005 im Hamburger Abendblatt