Ausstellung der Projektergebnisse aller Jahrgänge anlässlich Ovids 2000. Todesjahres

Gestorben ist der römische Dichter Publius Ovidius Naso im Winter 17/18 n. Chr., tot ist er bis heute nicht. Kaum ein Werk eines antiken Künstlers ist in bildender Kunst und Literatur so wirkmächtig gewesen und geblieben wie Ovids Dichtungen, insbesondere seine Metamorphosen. Dass er einer der bedeutendsten Autoren der Weltliteratur werden würde, formulierte er am Ende dieses seines Werkes selbst mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein: „super alta perennis astra ferar, nomenque erit indelebile nostrum [...] perque omnia saecula fama [...] vivam.“ (Met. XV 875-879). Ovid hat gewaltige Bilder durch Sprache geschaffen, fantastische Geschichten mit großer Erzähllust gestaltet, Ironie und Kritik vereint und gewagt und sich ganz besonders dem Thema Liebe und Leben verschrieben. So sind wir jetzt 2000 Jahre fasziniert von seinen Werken und haben "Zugang", "können etwas damit anfangen", wie Professor Heldmann in seinem Vortrag in unserem Forum zu Beginn dieses Ovid-Jahres 2017 formulierte. Das beweist ganz aktuell einmal wieder das Ovid-Projekt, das am Johanneum in den letzten Wochen anlässlich des 2000. Todesjahres des Künstlers in den Lateinkursen aller Jahrgänge stattgefunden hat: Gemeinsam haben unsere Johanniterinnen und Johanniter sich des Gesamtwerkes angenommen und sind kreativ geworden... In der Ehrenhalle ist eine Auswahl der Projektergebnisse in einer Ovid-Ausstellung zu sehen, die jeden Besucher überzeugen wird: Ovid lebt und wird leben. 

Ovid-Ausstellung_2017
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Ovid-Ausstellung_2017
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Was ist in den einzelnen Jahrgängen passiert?

Die Jahrgänge 5, 6 und 7 haben sich mit den Metamorphosen kreativ auseinandergesetzt - aber ganz unterschiedlich: Während sich die 5. Klassen auf Philemon und Baucis konzentriert haben und Ovids Erzählung im Kunstunterricht zeichnend und malend rezipiert haben, inszenierten die 6. Klassen Standbilder zu den Mythen Aktäon, Orpheus und Eurydike, Hyakinthos, Kadmos, Atalante sowie Dädalus und Ikarus und hielten diese fotografisch fest. Die 7. Klassen aber setzten sich kritisch mit großen Kunstwerken seit der frühen Neuzeit zu Ovids Mythen Apoll und Daphne, Orpheus und Eurydike, Latona und die lykischen Bauern, Pygmalion, Philemon und Baucis, Europa und der Stier und Aktäon auseinander, bevor sie es kreativ in einer Veranschaulichung der gestalterischen Unterschiede im Plakat taten.

Paris' Liebesbrief an Helena aus Ovids Heroides lud die 8. Klassen ein, als Helena auf Paris' heftige Werbung zu antworten.

Dass der selbst ernannte Liebeslehrer Ovid auch uns noch 2000 Jahre später einiges zur Liebe zu sagen hat, zeigen die 9. Klassen, die seine Flirttipps aus der Ars amatoria in aktuellen Liebesratgebern adaptierten.

Die Jahrgänge 10 und 11 beschäftigten sich (und tun dies noch bis zum Frühjahr 2018) mit der komplizierten Beziehungskiste zwischen Ovids künstlerischem Ego und der heiß geliebten Corinna, die uns Ovid in seinen Amores darstellt, und schrieben bzw. schreiben deren Kommunikation vom Liebesgedicht in die What'sApp-Nachricht um.

Auf Basis der Lektüre aus Ovids Tristia, seinen autobiografischen Gedichten aus der Verbannung am Schwarzen Meer, inszenierte der 12. Jahrgang Selbstvorstellungen Ovids - z.T. im Interview - und ermöglichte damit, dass die unteren Klassen zu Beginn ihrer Projekteinheit zunächst den Besuch des Künstlers höchstpersönlich genießen durften.